Newsletter Schule Mai 2009
Veröffentlich am 5. Mai 2009
Raumbedarf für Primarschule: 2.200 neue Räume
In der Bürgerschaftsdebatte um die Primarschule warnte der Bürgerschaftsabgeordnete Ties Rabe vor Raumproblemen. Hamburgs Eltern seien in Sorge, dass es zu einer Verlagerung von Horten weg von den Schulen käme. Er rechnete vor, dass mindestens 2.200 neue Räume für die 5. und 6. Klassen an den Primarschulen, für Vorschulen und die Verkleinerung der Klassen benötigt werden. Im Haushalt stünden zu wenig Gelder bereit, um diesen Bedarf zu decken. Es drohe eine Verschlechterung der Kooperation von Kitas, Schulen und Horten.
Jede/r fünfte Hamburger Gymnasiast/in kommt ohne Empfehlung der Grundschule auf diese Schulform. Mit der Antwort des Senats auf eine Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ties Rabe liegen erstmals Zahlen für den Übergang ohne Empfehlung auf das Gymnasium vor. Dabei zeigt sich: Gymnasien in sozialen Brennpunkten haben die höchsten Quoten nicht empfohlener Kinder mit bis zu 52 Prozent. In Stadtteilen wie Othmarschen und Blankenese ist die Quote dagegen besonders niedrig. Wenn Schüler ohne Gymnasial-Empfehlung künftig Gymnasien nicht mehr besuchen dürfen, werden 18 Gymnasien die Mindestgröße nicht mehr erreichen. Die gefährdeten Schulen liegen vor allem in weniger wohlhabenden Stadtteilen. Zurzeit leisten diese Schulen wichtige Arbeit, weil sie viele Schüler auch ohne Empfehlung zum Abitur führen. Rabe befürchtet, dass sich die soziale Spaltung der Stadt in Zukunft verstärken wird. Grund: Eltern können nach der geplanten Abschaffung des Elternwahlrechts ihre Kinder nicht ohne Empfehlung auf einem Gymnasium anmelden. Dies sei falsch, da die Empfehlung häufig Kinder aus sozial schwächeren Familien benachteilige. Weiterhin würden deshalb die Gymnasien in sozialen Brennpunkten gefährdet, da ihnen künftig rund 20% der Schülerinnen und Schüler fehlen werden.
SPD will Änderungen im Zentralen Schülerregister
Gezielte Suche nach Kindern ohne Aufenthaltstitel soll unterbleiben.Der SPD-Migrationsexperte Bülent Ciftlik hat vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Zentralen Schülerregisters den Senat aufgefordert, endlich klare Verfahrensregeln aufzustellen, damit Schulleiter, Lehrer/innen und Schulbüros in dieser wichtigen Frage nicht allein gelassen würden. “Man bekommt mittlerweile den Eindruck, dass aber genau dies die Absicht des Senats ist”, sagte Ciftlik. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat in diesem Zusammenhang einen Antrag in die Bürgerschaft eingereicht, durch den die gezielte Suche nach Kindern ohne legalen Aufenthaltsstatus über das zentrale Schülerregister unterbleiben soll. Bildung sei ein Menschenrecht, sie dürfe keinem Kind verwehrt werden.
Die Schulzweigstelle Rahmwerder Straße bleibt erhalten!
Veröffentlich am 6. April 2009
In der Rahmwerder Straße liegt seit über einhundert Jahren die einzige Schule im Ortsteil Georgswerder. Sie wird derzeit von etwa 80 Grundschulkindern besucht.
Die Schule liegt 4 Kilometer von der Elbinselschule entfernt, zu der sie organisatorisch gehört. Schon immer hatte die Schule für alle Bewohner des Stadtteils eine besondere Bedeutung als kommunikative und integrative Einrichtung. Der „Sprung über die Elbe“ darf auch an Georgswerder nicht vorbei gehen. Eine Aufwertung der Quartiers kann aber nur gelingen, wenn es mindestens für die Kleinsten auch Bildungseinrichtungen vor Ort gibt.
Der einzügige Standort galt stets auch deshalb als gesichert, weil es den Lehrern durch die enge Zusammenarbeit mit den Vertretern der in Georgswerder lebenden Sinti-Familien gelang, den Kindern einen niedrigschwelligen Schulbesuch zu ermöglichen und somit auch ihr Recht auf Schulbildung zu gewährleisten.
Der Senat hatte geplant, den Schulstandort Rahmwerder Straße vollständig aufzugeben und in der Elbinselschule zu intrigieren. Dies wurde den Lehrern und Eltern in einer Vollversammlung mitgeteilt.
Durch die Bemühungen der SPD Bezirksfraktion HH-Mitte gelang es nun, den Schulstandort zu retten. Am Freitag, den 3.4.09 fand eine Demo der Eltern und Schüler vor ihrer Schule statt. Sie überreichten Schulsenatorin Christa Goetsch die gesammelten Unterschriften für den Erhalt der Schule.
Am späten Abend wurde dann bekannt, dass der Schulstandort Rahmwerder Straße als Primarschule mit Hort für die Klassenstufen 0 – 3 erhalten bleibt. Ab Klasse 4 wechseln die Schüler und Schülerinnen dann zur Elbinselschule.
Die SPD lehnt eine Teilung der Primarschule ab. Wir freuen uns aber mit den Bewohnern des Stadtteils, dass unsere Bemühungen erfolgreich waren und die Schule erhalten bleibt.
Newsletter Schule April 2009
Veröffentlich am 2. April 2009
Das neue Schulgesetz befindet sich derzeit in der Vorberatung. Im Kern handelt es sich um die gesetzliche Umsetzung des bereits bekannten Rahmenplans mit aus unserer Sicht zum Teil sehr vernünftigen, zum Teil sehr “visionären” – und zum Teil auch unsinnigen – Ideen. In einem Punkt enthält das neue Schulgesetz aber eine Sensation: Die Schulbehörde weicht erheblich von den bisher bekannt gegebenen Mindestgrößen für Schulen ab. Konkret ist ganz am Ende des Schulgesetzes geregelt, dass
- Primarschulen zweizügig sein sollen (bisher wurde energisch auf Dreizügigkeit beharrt!!)
- Gymnasien und Stadtteilschulen dreizügig sein müssen. Bisher wurde eine Zügigkeit für Gymnasien nicht vorgeschrieben.
Das bedeutet für die Primarschule:
Viele kleine Grundschulen sind als eigenständige Schulen zunächst einmal in ihrer Existenz gesichert. Von 199 Hamburger Grundschulen haben 107 Schulen in der jetzigen 4. Klasse nämlich nur 2 Parallelklassen und wären insofern nach der alten Planung gefährdet gewesen. Diese Veränderung ist gut.
Aber diese kleinen Grundschulen können natürlich nicht das Profilangebot der bisherigen weiterführenden Schulen und insbesondere deren Fremdsprachen-Angebot vorhalten. Sie werden sich “spezialisieren” müssen. Genau vor dieser Entwicklung haben aber selbst wohlmeinende Kräfte (z.B. die Lehrerkammer, Landesschulbeirat, Elternkammer) immer energisch gewarnt. Wenn die Primarschulen sich unterschiedlich entwickeln, wird langfristig Hamburgs Elternschaft schon vor der Einschulung ihrer Kinder mit der Wahl der Primarschule den späteren Bildungsweg festlegen.
Es ist gut, dass die meisten Grundschulen erhalten bleiben. Aber kleine Primarschulen können nicht alle Fächer anbieten, sondern müssen sich spezialisieren. Der Preis dafür ist die Zersplitterung der einheitlichen Grundschulen in viele unterschiedliche Primarschulen. Der Geist des gemeinsamen Lernens wird durch diese Reform langfristig gefährdet.
Das bedeutet für das Gymnasium:
Die vorgeschriebene Dreizügigkeit werden 20 Schulen auf Dauer kaum schaffen. 20% der Gymnasiasten haben zurzeit keine Gymnasialempfehlung. Gerade in weniger wohlhabenden Stadtteilen ist dieser Prozentsatz meist erheblich höher. Dreizügige Gymnasien dort müssen mit Schülerschwund von 20% bis 50% rechnen, wenn das Elternwahlrecht abgeschafft wird. Dieser Eckpfeiler wird dazu führen, dass in benachteiligten Stadtteilen das Sterben der Gymnasien beginnt.
Damit wird das Sterben der Gymnasien in den weniger wohlhabenden Stadtteilen eingeleitet. Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sehen anders aus.
Regionale Schulentwicklungskonferenz RSK2 gibt bereits nach der 4.Sitzung ihre Standortempfehlung ab
Veröffentlich am 30. März 2009
Am 30.3.09 fand in der Gesamtschule Öjendorf die 4. regionale Schulentwicklungskonferenz (RSK) für den Bereich Billstedt, Mümmelmannsberg und Horn statt. Diese Konferenz setzt sich aus Schulleitern, Lehrern, Eltern und Schüler zusammen und soll Empfehlungen für die zukünftigen Standorte der Primar- und Stadtteilschulen ab dem Schuljahr 2011 / 2012 abgeben.
Die Teilnehmer der RSK 2 (Billstedt, Horn, Mümmelmannsberg) konnten bereits nach der 4. Konferenz ihre Standortempfehlung abgeben. Damit ist die Region Billstedt mit ihrer Arbeit bereits als erste von 22 RSK`s fertig und hier wird es keine 5. RSK- Sitzung mehr geben.
Folgende Standorte wurden von den Mitgliedern geplant:
Primarschulen: An der Glinder Au (3zügig) Billbrookdeich (1zügig) Bonhoefferstr. (3) Möllner Landstr. (4) Archenholzstr. (4) Mümmelmannsberg (6) Rahewinkel (5) Fuchsbergredder (3), Stengelestr (5), Speckenreye (2), Steinadlerweg (3), Sterntalerstr. (2), Beim Pachthof (3) ,Rhiemsweg (3).
Stadtteilschulen: Horn ( Sek1 6 zügig, Sek 2 4 zügig), Öjendorf (6), Mümmelmannsberg ( Sek1 7 zügig, Sek 2 3 zügig), St. Georg in Horn (4).
Gymnasium: Kurt-Körber ( 3 zügig)
An den Schulen Glinder Au, Bonhoefferstr., Möllner Landstr., Stadtteilschule Öjendorf sind Zubauten / Ausbauten notwendig. Der Standort „St. Georg in Horn“ im Querkamp muss wiederhergestellt und renoviert werden.
Die Mitglieder übergaben Ihre Standortempfehlung den Behördenvertreter Herrn Reichel.
So geht es nun weiter:
Wenn alle 15 RSK`s mit ihrer Arbeit fertig sind, werden die Ergebnisse ins Netz gestellt. Es erfolgt dann ein Feedback durch die Schulbehörde an die jeweiligen RSK`s. Dies soll noch bis zu den Sommerferien erfolgen.
Am 2. Juni 2009 gibt es dann einen feierlichen Empfang im Rathaus für alle Teilnehmer der RSK`s.
Im Sommer / Spätherbst wird dann das Beteiligungsverfahren in die Bezirks-versammlungen, Elternkammer und Kreiselternratsvertretung kommen. Ende 2009 folgt die Entscheidung der Deputation. Zur Anmelderunde 2010 ( Frühjahr 2010) sind dann alle Standorte geklärt.
Frank Ramlow, schulpolitischer Sprecher der SPD – Bezirksfraktion und Vorsitzender des Kreiselternrates war in der RSK 2 an allen Konferenzen beteiligt und konnte so Einfluss auf die Standortempfehlung nehmen. Frank Ramlow: „ Die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der RKS 2 ist sehr gut gewesen und wir werden diese Standortempfehlungen in der Bezirksversammlung HH-Mitte so unterstützen. Wir fordern Schulsenatorin Goetsch auf, die vorgelegten Standorte zu genehmigen und die erforderlichen Zubauten umgehend zu planen und umzusetzen“.
Newsletter Schule März 2009
Veröffentlich am 5. März 2009
In dieser Woche standen die Haushaltsberatungen der Bürgerschaft im politischen Fokus. Negativ fiel dabei das Urteil des SPD-Fraktionschefs über die Schulpolitik von CDU und GAL aus. Der in der letzten Legislaturperiode erreichte “Hamburger Schulkompromiss” hätte Schulfrieden bringen können, “wenn Bürgermeister von Beust nicht bereit gewesen wäre, auch hier sachlich-politische Grundsätze dem machtpolitischen Kalkül und dem parteipolitischen Opportunismus zu opfern. Das Ergebnis ist der schwarz-grüne Primarschul-Murks”, sagte Neumann. Die schwarz-grünen Schulexperimente verhinderten, dass die Themen Steigerung der Unterrichtsqualität und Förderung so genannter Risikoschüler angepackt wird. “Und so gehen die Reformvorhaben in erster Linie zu Lasten der schwächeren Schülerinnen und Schüler in Hamburg”, sagte Neumann.
Der Grundgedanke des längeren gemeinsamen Lernens sei richtig. “Es ist aber falsch, diesen richtigen Grundgedanken überhastet, ohne breite Zustimmung und parallel zur Schaffung der neuen Stadtteilschule einzuführen. Denn Ihre Reformhektik wird die Kraft für den Aufbau der Stadtteilschule kosten, die wir so dringend brauchen.” Schwarz-Grün zwinge die Schulen, sich mit Raumplänen und Fahrplänen herumzuärgern, statt mit besserer Bildung.
Neumann griff insbesondere die CDU scharf an. Sie schrecke nicht davor zurück, das Wahlrecht der Eltern bei der Frage der weiterführenden Schule abzuschaffen. “Die CDU hat sich im Wahlkampf zur Verteidigerin des Elternwahlrechts aufgespielt. Wir erleben jetzt aber einen schwarz-grünen Wahlrechtsraub. Das werden die Eltern nicht vergessen”, sagte Neumann.
SPD-Bildungsexperte stellt SPD-Pläne für die Hamburger Bildungspolitik vor
Der SPD-Schulexperte Ties Rabe nutzte die Haushaltsdebatte, um die Pläne der SPD-Bürgerschaftsfraktion in der Schulpolitik darzustellen. So will die SPD in einem ersten Schritt die Stadtteilschule zu “der Schulform der Zukunft” entwickeln. Die Gymnasien will die SPD in diesen Prozess einbinden. “So bringen wir das Zusammenwachsen aller Schulformen auf den Weg. Und in absehbarer Zeit machen wir die Türen aller Schulen für alle Schüler auf. Und es wird selbstverständlich sein, dass alle Schüler in jede Schule gehen können – ganz gleich, ob es früher einmal ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule war”, sagte Rabe.
Die SPD wolle insbesondere Chancengleichheit für Schüler mit schwierigen Startbedingungen. Hier sehe die SPD besonderen Handlungsbedarf. Rabe nannte als wichtigste Maßnahmen verstärkte Förderung und Nachhilfe statt Sitzenbleiben und Abschulen, mehr Ganztagsschulen, intensivere Sprachförderung, die Unterstützung der Elternarbeit und die Integration der Förderschüler. Die Reformen der SPD seien – anders als das Primarschulexperiment des CDU-GAL-Senats “keine Abenteuergeschichte mit ungewissem Ausgang. Diese Reformen funktionieren. Und wir wollen sie gemeinsam mit den Schülern und Eltern durchsetzen – und nicht gegen sie.”
Denkmalschutz für die Schule in Georgswerder
Veröffentlich am 25. Februar 2009
Der historisch wertvolle Schulbau von 1903/04 an der Rahmwerder Straße in Georgswerder wird von der Behörde für Kultur, Sport und Medien in das Verzeichnis der erkannten Denkmäler aufgenommen. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte der Bau unter Denkmalschutz gestellt werden, teilt die Behörde mit. SPD und GAL in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hatten Ende vergangenen Jahres den Denkmalschutz beantragt. So steht es jetzt zwar gut um den Erhalt des Gebäudes, aber nach wie vor ist der Fortbestand des Unterrichts an der einzügigen Grundschule Rahmwerder Straße nicht gesichert. Die Schulbehörde möchte die nur 83 Schüler zählende Schule schließen. Die Schule Rahmwerder Straße ist eine Zweigstelle der Elbinselschule (ehemals Schule Buddestraße). Und die Elbinselschule soll schon bald in das geplante Bildungszentrum “Tor zur Welt” integriert werden. Dort hätten dann auch die Kinder der Rahmwerder Straße ihren Platz. Ende vergangenen Jahres wurden in Georgswerder und Umgebung mehr als 800 Unterschriften zum Fortbestand der Schule Rahmwerder Straße gesammelt. Auch, weil etwa jedes vierte Kind aus der Siedlung der nahen Sinti-Gemeinde kommt. Der 1,5 Kilometer längere Weg zur Elbinselschule oder dem künftigen Bildungszentrum wäre für die Eltern, die in der Nähe wohnen, nicht akzeptabel.
Newsletter Schule Februar 2009
Veröffentlich am 15. Februar 2009
Letzte Woche startete die Dritte Runde der Regionalen Schulentwicklungskonferenzen. Voraussichtlich wird wieder viel Zeit und Energie in Fragen der Verteilung von Räumen gesteckt, anstatt sich mit Fragen der Verbesserung der Schulqualität, wie z.B. der Senkung der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss, zu beschäftigen. Immer deutlicher wird, dass viel zu wenig Energie in die Ausgestaltung guter Stadtteilschulen gesteckt wird.
Diesbezüglich haben die SPD-Schulpolitiker Ties Rabe und Wilfried Buss den Senat zu einer Korrektur seiner Schulpolitik aufgefordert. “Statt mit der Primarschule das ganze Schulsystem umzukrempeln, sollte der Senat zielgenau Hamburgs größtes Schulproblem angehen: die so genannten Risikoschüler”, sagte Rabe. Hamburg habe erheblich mehr schwache Schülerinnen und Schüler als die anderen Bundesländer und OECD-Staaten. “Wir können es uns nicht leisten, 25 Prozent unserer Schüler als Schulverlierer sich selbst zu überlassen. Für diese jungen Menschen brauchen wir ein Programm für Chancengleichheit und bessere Startbedingungen”, sagte der SPD-Schulexperte.
Mit einer Großen Anfrage will die SPD-Bürgerschaftsfraktion jetzt erfahren, was der Senat für die so genannten Risikoschülerinnen und -schüler tut. “Die Enquete-Kommission Schulpolitik hat im Konsens zahlreiche Empfehlungen zu diesem Problembereich beschlossen. Etwa die Einrichtung kleinerer Klassen, verbindliche Ganztagsangebote oder die gezielte Förderung lernschwacher Kinder schon in den ersten beiden Schuljahren. Wir wollen jetzt wissen, ob die Empfehlungen umgesetzt werden, oder ob auch sie auf Kosten des Primarschul-Experiments auf die lange Bank geschoben werden,” sagte der SPD-Schulpolitiker Wilfried Buss.
Landesrechnungshof rügt Auslagerung von Schulen
Die Instandhaltung, Sanierung und Verwaltung von 32 Schulen in Hamburg-Harburg wurde im Sommer 2007 dem Immobilienunternehmen „GWG Gewerbe“ für 25 Jahre übertragen. Diese Auslagerung ist jetzt vom Landesrechnungshof heftig kritisiert worden. In seinem jetzt erschienen Bericht kritisiert der Rechnungshof, dass die Gesamtkosten statt der angegebenen 756,2 Mio. tatsächlich 797,5 Mio. Euro betragen. Zudem habe die Schulbehörde bei einem 800-Millionen-Geschäft die Hamburger Bürgerschaft mit fehlerhaften Berechnungen falsch informiert und gegen das Haushaltsrecht verstoßen. Der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Ties Rabe hat mit mehreren Kleinen Anfragen das Thema aufgegriffen. Rabe: „Der Bericht des Rechnungshofes ist eine schallende Ohrfeige für die Schulbehörde. Jetzt steht schwarz auf weiß fest, dass die Schulbehörde die Bürgerschaft mit unseriösen Berechnungen schlicht getäuscht hat. Statt aber die Fehler aufzuarbeiten, will die Behörde einfach weitermachen. Wir fordern: Bevor weitere Auslagerungen der Schulen an öffentliche oder private Unternehmen erfolgen, müssen endlich seriöse Zahlen auf den Tisch. Bis dahin dürfen keine weiteren Fakten geschaffen werden.
Zoff im Schulausschuss um die Schule Rahmwerder Straße
Veröffentlich am 27. Januar 2009
Der gestrige Ausschuss für Schule, Kita und Sport endete mit deutlichen Worten zwischen Herrn Ahrnfeldt, der für die Schulbehörde referierte, und meinen Kollegen Bernd Peter Holst (SPD). Der Streit entzündete sich um die von der Schulbehörde geplante Schließung der Schule Rahmwerder Straße in Georgswerder.
Herr Ahrnfeldt hatte geschildert, das mit den Betroffenen und lokalen Akteuren in einem “offenen Prozess” und mit einem “offenen Ausgang” diskutiert würde. Auf unsere Fragen schilderte er mehrfach großes Verständnis für die lokale Bedeutung des Schulstandortes.
Aber auch nachdem wir noch einmal klar gestellt hatten, das es einen einstimmigen Beschluss aller Abgeordneter der Bezirksversammlung gibt, und nachdem Frau Carmody für den Arbeitskreis Georgswerder darauf hinwies, das eine Sammlung über 800 Unterschriften für den Erhalt des Schulstandortes zusammenbekommen hat, konnte Herr Ahrnfeldt sich auf die ausdrückliche Frage von Jutta Kodrzynski (GAL) nicht durchringen ein Bekenntnis zum Erhalt der Schule Rahmwerder Straße “in welcher Form auch immer” abzugeben.
Daraufhin fragte Bernd Peter Holst wie es denn angehen könne, das es aus dem Stadtteil, der Elternschaft und der Lokalpolitik eindeutige Aussagen gebe, die Schulbehörde aber immer noch offen und ergebnisoffen diskutieren wolle. Denn entweder nähme die Behörde die einhellige Meinung vor Ort ernst, dann könne es nur ein Ergebnis der Beratungen, nämlich den Erhalt geben, oder es würde eben von oben “undemokratisch” die Schließung der Schule Rahmwerder Straße angeordnet werden.
Der pointiert und hitzig vorgebrachte Einwand brachte Herrn Ahrnfeldt dazu die Maske der Freundlichkeit fallen zu lassen und klipp und klar zu erklären, das er sehr offen mit allen diskutieren würde, er solche Angriffe nicht nötig hätte und es “andere Ausschüsse” gäbe mit “anderen demokratischen Mehrheiten” in denen die Entscheidungen getroffen würden.
In mir hat sich nach dieser Sitzung der Eindruck verfestigt, das die Schulbehörde die Schließung der Schule Rahmwerder Straße beschlossen hat, und alle Gespräche die jetzt geführt werden nur noch vorgespieltes Theater ist. Bleibt zu hoffen, dass ich mich irre.
Geschrieben von Klaus Lübke (MdBV), der mich im Schulausschuss vertreten hat. DANKE Klaus !
http://www.veddel.net/wordpress/2009/01/27/zoff-im-schulausschuss-um-die-schule-rahmwerder-strasse/
SPD fordert: Lehrschwimmbecken statt Leerschwimmbecken
Veröffentlich am 17. Dezember 2008
Im Streit um die Zukunft der Hamburger Lehrschwimmbecken hat die SPD-Bürgerschaftsfraktion dem Senat unverantwortliches Taktieren vorgeworfen. 2005 hatte der CDU-Senat beschlossen, die Lehrschwimmbecken zu schließen. Vereine und Initiativen hatten sich darauf hin zunächst erfolgreich bemüht, den Betrieb auch ohne Behördengelder fortzuführen. Dieses Engagement droht jetzt aufgrund finanzieller Belastungen – etwa durch Kosten für Energie – zu scheitern.
Der Senat habe den Trägern Investitionsruinen übergeben. Es sei politisch dilletantisch, die Vereine jetzt mit ihren Problemen alleine zu lassen. Das Handeln des Senats brüskiere Vereine und Organisationen, die Kinder und Jungendlichen das Schwimmen beibringen wollen.
Die GHR-Schule Steinadlerweg in Horn hat ein Lehrschwimmbecken. Das Gebäude wurde 2005 für viel Geld saniert. Die Technik ist allerdings veraltet und muss erneuert werden. Bis Juli 2008 wurde das Lehrschwimmbecken nicht nur von Grundschülern der Schule Steinadlerweg genutzt, sondern auch von vier umliegenden Schulen. Auch Vereine nutzen das Becken. Nun wurde, auf Veranlassung der Schulbehörde, das Lehrschwimmbecken im August 2008 geschlossen. Das Wasser wurde abgelassen. Die Schule muss das Gebäude allerdings noch weiter beheizen, damit keine Schäden entstehen. Die Grundschulkinder werden mit Bussen (kostenpflichtig für die Eltern!) in das Archenholzbad nach Billstedt gebracht. Damit geht wichtige Unterrichtszeit verloren. Bis zum heutigen Tag ist ungewiss, was mit dem Lehrschwimmbecken weiter passiert.
Wie wichtig frühes Schwimmen lernen ist, zeigten jedes Jahr die Bilanzen der Rettungsdienste. Experten und vor allem die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft gingen davon aus, dass mangelnde Schwimm-Erfahrung und Überschätzung Hauptgründe für Todesfälle durch Ertrinken sind.
Der Senat ignoriere Fakten, die sein Handeln fragwürdig erscheinen lassen. So sei die Auslastung der Lehrschwimmbecken wie in der Vergangenheit konstant gut. Der Senat hat in den Überlassungsverträge festgelegt, dass die jeweiligen Betreiber die Bewirtschaftungs- und Bauunterhaltungskosten zu tragen haben. Der Senat gestehe jedoch ein, dass ein erheblicher Sanierungsstau zwischen 400.000 und 800.000 Euro je Lehrschwimmbecken besteht. Hinzu kämen jetzt Nachzahlungen für Energieversorgung. Die Kalkulation der Träger erfolgte auf Datengrundlage der Behörde. Wenn es jetzt zu Nachforderungen kommt, stellt sich die Frage, ob in der Behörde richtig gerechnet und kalkuliert worden ist. Selbst finanziell gut dastehende Vereine tun sich schwer, eine solche Nachzahlung zu stemmen.
Die SPD fordert den Senat auf, ein zukunftsfähiges und tragendes Konzept für den Erhalt der Lehrschwimmbecken vorzulegen. Schaffen Sie Planungssicherheit für die betroffenen Vereine. Und sorgen Sie dafür, das aus den Lehrschwimmbecken keine Leerschwimmbecken werden!
Schwarz-Grüne Schulreform: Risiken für Hamburgs Schüler
Veröffentlich am 15. Dezember 2008
In den nächsten Wochen und Monaten sollen Weichen für eine Schulreform gestellt werden. Laut schwarz-grünen Koalitionsvertrags wird die so genannte Primarschule eingeführt, das heißt alle Kinder besuchen bis zur 6.Klasse eine gemeinsame Schule. Weiterführende Schulen ab Klasse 7 sollen dann das Gymnasium und die Stadtteilschule sein.
Die Risiken und Probleme bei der Einführung der Primarschule werden von der Schulbehörde verschwiegen. Stattdessen werden Lehrer, Eltern und Schüler falsch informiert. So wird der Eindruck erweckt, wissenschaftliche Untersuchungen sowie andere Länder würden die Vorteile der Primarschule beweisen. Das ist eine bewusste Täuschung. Es gibt überhaupt keine wissenschaftliche Untersuchung, die die Vorteile der Primarschule erwiesen hätte. Und die Nachbarländer haben andere Schulsysteme. Zudem haben Wissenschaftler und Schulexperten noch vor zwei Jahren die Idee der Primarschule im Rahmen der Enquete-Kommission der Hamburger Bürgerschaft zu den Akten gelegt. Die heutige Schulsenatorin Christa Goetsch war damals selbst nicht dafür.
Gleichzeitig soll das Elternwahlrecht abgeschafft werden. Das heißt, Eltern sollen künftig bei der Wahl der weiterführenden Schule kein Mitspracherecht mehr haben.
Bis Mai 2009 tagen die regionalen Schulkonferenzen in denen Schulleitung, Lehrer, Eltern und Schüler die Reformen begleiten und Vorschläge erarbeiten sollen. Doch bisher geht es dort vorrangig um die räumliche Verschiebung von Schulklassen. So sollen die Klassen 5 und 6 von den weiterführenden Schulen in die Grundschulen, später Primarschulen, verlagert werden. Zudem sollen Haupt- und Realschulen sowie Gesamtschulen zu neuen Stadtteilschulen mit einer eigenen Oberstufe zusammengeführt werden. Bei der Suche nach Lösungen werden die Mitglieder von der Behörde gedrängt, möglichst „preiswerte“ Lösungen ohne Neubauten zu akzeptieren. Im Ergebnis werden daher die Primarschulen künftig häufig zwei unterschiedliche Standorte haben. Dabei wird deutlich: Hier steht nicht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt, sondern das Budget der Schulbehörde.
Den Vorschlägen von Senatorin Goetsch, die Klasse 1 bis 3 und 4 bis 6 der geplanten Primarschulen auf zwei Standorte zu verteilen, erteilt die SPD eine klare Absage. Wir brauchen keine Patchwork-Schulen. Es ist unsinnig, wenn Schüler zukünftig gleich zweimal die Schule wechseln müssen. Das wäre eine klare Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation. Wenn der Platz nicht ausreicht, muss die Behörde vor Ort neue Räume schaffen, statt Schüler und Lehrer auf Wanderung zu schicken. Das Prinzip „kurze Beine – kurze Wege“ muss auch für die Primarschule gelten.
Die SPD ist für individualisiertes Lernen entsprechend der unterschiedlichen Begabungen, besondere Angebote für Kinder aus Einwandererfamilien, für Risikoschüler oder auch für Hochbegabte. Wir fordern zudem, dass das bisherige Unterrichtsangebot der weiterführenden Schulen in den Klassen 5 und 6 nicht eingeschränkt, sondern verbessert wird. Die Schulbehörde scheint nicht einmal darüber nachgedacht zu haben, wie das geschehen kann. Es besteht die große Gefahr, dass die bisherigen Angebote in den Klassen 5 und 6 beispielsweise in den Bereichen Musik, Sport, humanistische Bildung oder Fremdsprachen schlicht unter die Räder kommen.
Risiken der Schulreform
Reformen dürfen nicht um ihrer selbst willen durchgeführt werden. Die SPD warnt:
1. Um Geld für Neubauten zu sparen, schlug Senatorin Goetsch vor, die Klassen 1 bis 3 und 4 bis 6 der geplanten Primarschulen auf zwei Standorte zu verteilen. Dies allerdings bedeutet eine Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation: Ist die Primarschule an zwei unterschiedlichen Standorten, wird den Kindern ein zusätzlicher Wechsel (nach Klasse3) zugemutet.
2. Zu wenig Kraft wird in die Entwicklung der Stadtteilschulen gesteckt. Doch gerade diese sind wichtig für die Reduzierung des Schulabgängeranteils ohne Abschluss.
3. Die Wahl der Primarschule darf nicht zur Vorentscheidung über die weiterführende Schule werden. Deshalb sollen die Primarschulen im Kern ein gleichwertiges Angebot bieten. Primarschulen dürfen daher nicht an Gymnasien angegliedert werden. Damit würde die Trennung der Schülerschaft schon in die Grundschule verlagert werden. Das Schulsystem darf im Grund- bez. Primarschulbereich nicht zersplittert werden.
Allgemein scheint zu viel Kraft in Strukturveränderungen gesteckt zu werden und zu wenig in inhaltliche Verbesserung des Unterrichts.
Anforderungen an die Schulreform
Schulreformen müssen zu einem besseren Schulsystem führen. Die SPD fordert daher:
1. Die Zahl der Risikoschüler muss deutlich verringert werden. Wir fordern im ersten Schritt eine Halbierung der Schulabbrecher-Quote (im Schuljahr 2006/2007 verließen 11,09 % der Schülerinnen und Schüler in Hamburg die Schule ohne Abschluss).
2. Leistungsstarke müssen besser gefördert werden: Die Zahl der Abiturienten muss deutlich erhöht werden. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler werden zu wenig gefördert – auch das zeigt uns die PISA-Studie für Hamburg.
3. Profilangebote ab Klasse 5, wie sie zurzeit an vielen weiterführenden Schulen existieren (z.B. Musikförderung, Sportförderung, altsprachliche Bildung oder bilinguale Angebote an vielen Schulen), müssen erhalten bleiben oder adäquat ersetzt werden. Der Fremdsprachenunterricht in den Klassen 5 (englisch, zum Teil zweite Fremdsprache) und 6 bez. 7 (zweite Fremdsprache) muss ohne Einschränkungen in Qualität und Quantität erhalten bleiben und in der gesamten Primarstufe verbessert werden.
4. Gleichzeitig müssen Risikoschülerinnen und –schüler besser gefördert werden. Aus diesem Grund fordern wir Konzepte zur Chancengleichheit, insbesondere die Einrichtung von Förderkursen, entsprechende Unterrichtskonzepte, aber auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zur Förderung der Elternmitarbeit.
Die Qualität der schulischen Bildung muss auf allen Ebenen verbessert werden!

