Newsletter Schule Januar 2010

Veröffentlich am 17. Januar 2010  

Schulempfehlungen nach der vierten Klasse: Soziale Spaltung am Ende der Grundschulzeit
Je besser der Stadtteil gestellt ist, desto mehr Gymnasialempfehlungen gibt es

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat erstmals die Gymnasialempfehlungen der Hamburger Grundschulen untersucht. „Die bislang in Hamburg unbekannten Zahlen zeigen: Hamburgs Grundschulen können die soziale Spaltung der Stadt nicht überwinden“ – so fasste der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Ties Rabe, die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Basis ist die Antwort des Senats auf eine Große Anfrage der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Schüler aus wohlhabenden Stadtteilen werden – so geht aus der Antwort hervor – drei Mal so häufig zum Gymnasium empfohlen wie Schüler aus benachteiligten Stadtteilen. „Die vorliegenden Zahlen zeigen aber auch sehr große und kaum zu erklärende Unterschiede bei den Empfehlungsquoten der Schulen. Es ist unverständlich, dass der Senat das Elternwahlrecht abschaffen will, ohne verlässliche Zahlen über das Empfehlungs-Verfahren zu kennen. Nach meinem Eindruck ist das Verfahren fehleranfällig und intransparent“, sagte Rabe.

Wie soll das gehen? Kleinere Klassen, aber keine zusätzlichen Lehrer
Die Schulreform wird zum Papiertiger – jetzt müssen die Schulen Teilungs-, Förder- und Funktionsstunden streichen

Ein wichtiges Versprechen von Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) wird nicht wie angekündigt umgesetzt: Für die versprochenen kleineren Klassen werden keine zusätzlichen Lehrer bereitgestellt. Das hat der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Ties Rabe im Rahmen mehrerer Kleiner Anfragen ermittelt. Rabe kritisiert: „Die Schulsenatorin hat kleinere Klassen und besseren Unterricht versprochen. Dieses Versprechen wird jetzt gebrochen. Die Behörde will für die Verkleinerung der Klassen keine zusätzlichen Stellen bereitstellen. Nun müssen die Schulen im Gegenzug Teilungs-, Förder- und Funktionsstunden streichen, um kleinere Klassen zu ermöglichen. Die angebliche Reform ist ein reiner Rechentrick. Unterm Strich gibt es keinerlei Verbesserungen.“

Erschreckender Rückgang der Ausbildungsplätze
Die SPD-Fraktion ist besorgt über den erschreckend hohen Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge von 9,3 Prozent. Bundesweit belief sich der Rückgang nur auf 8,2 Prozent. Besonders hohe Einbußen mussten die für Hamburg wichtigen Bereiche Groß- und Außenhandel (.18 Prozent), Güterverkehr (-26) und Seeschifffahrt (-20 Prozent bundesweit) hinnehmen.
Dazu erklärt Elke Badde, arbeitsmarktpolitische Sprecherin: „Bei diesen Zahlen sind Zweifel angebracht, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise keine Auswirkungen auf die Anzahl der bereitgestellten Lehrstellen hat. Die Erklärung ausschließlich bei den angeblich schlechten Hamburger Schülern zu suchen, sehe ich mit Vorsicht.“
Angesichts dieser kritischen Entwicklung sieht die SPD-Fraktion das nächste Jahr mit dem doppelten Abiturjahrgang mit großer Sorge. Die Schulexpertin Ernst fordert: „Alle Beteiligte müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um den Schulabgängern im Jahr 2010 eine Perspektive anzubieten.

Antrag der SPD-Fraktion: Erhalt der Lehrschwimmbecken

Der Erhalt der Hamburger Lehrschwimmbecken ist für eine wohnortnahe Möglichkeit der Wassergewöhnung unterschiedlicher Zielgruppen sowie für den Gesundheitssport unerlässlich. Nach jahrelanger Ungewissheit stehen nun durch das Bundeskonjunkturprogramm II Mittel zum Erhalt der Lehrschwimmbecken bereit. Nach Auskunft des Senats, liegt der Sanierungsbedarf aller acht Hamburger Lehrschwimmbecken bei 2,6 Mio. Euro.
Die Kostenberechnung des Hamburger Sportbundes geht zum jetzigen Zeitpunkt von einem Sanierungsbedarf von rd. 3,35 Mio. Euro aus. Es ergäbe sich somit eine Differenz für den notwendigen Gesamtsanierungsbedarf in Höhe von rd. 750.000 Euro für 2008 bis 2009.
Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass der Senat im Zusammenwirken mit den Trägern eine tragfähige Lösung zum Erhalt der Lehrschwimmbecken entwickelt, um eine wohnortnahe Wassergewöhnungsmöglichkeit uneingeschränkt abzusichern.

Daher fordert die SPD-Fraktion den Senat auf, sich für den Erhalt der Hamburger Lehrschwimmbecken einzusetzen, indem er
• zusammen mit den Trägervereinen eine transparente und langfristig tragfähige Lösung für den Erhalt der Hamburger Lehrschwimmbecken entwickelt und
• den Trägervereinen finanzielle Sicherheit durch vertragliche Vereinbarungen garantiert.

Lehrermangel: Schulbehörde bildet nicht einmal zwei Drittel des Bedarfs aus

Rabe: Negative langfristige Folgen für Unterrichtsqualität nicht abzusehen.
Die zum 1. November 2009 von der Schulbehörde eingestellten 279 Referendare für das Lehramt an den Hamburger Schulen reichen nicht aus, um den Lehrerbedarf an den Hamburger Schulen zu decken. Darauf hat jetzt der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Ties Rabe hingewiesen. Rabe: „Seit Jahren bildet die Schulbehörde deutlich weniger Lehrer aus, als an den Hamburger Schulen pensioniert werden. Dieser Mangel verstärkt sich von Jahr zu Jahr.“

Stopp des Projekts “Verlässliche Betreuung an der Primarschule”
Das Projekt “verlässliche Betreuung an Primarschulen” ist gekippt

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat die Entscheidung des Senats kritisiert, die erst im Mai angekündigte Ausweitung der Nachmittagsbetreuung an Primarschulen wieder zu streichen. Das ambitionierte Projekt habe bei seiner Vorstellung zu Recht großes Lob bekommen. „Was der Senat zuerst auch selbst laut bejubelte, hat er jetzt still und leise einkassiert“, kritisierte SPD-Schulexperte Ties Rabe am Mittwoch.
Rabe sprach von einem „nicht nachvollziehbaren Zickzackkurs“. Vor einem halben Jahr habe Schulsenatorin Goetsch den Eltern doppelt so viele Hortplätze versprochen wie bisher. „Jetzt wird das Ganze ausgerechnet mit Hinweis auf nötige Einsparungen beerdigt – obwohl der Senat stets behauptet hat, das Projekt sei kostenneutral umzusetzen. Das passt nicht zusammen. Diejenigen werden sich jetzt bestätigt fühlen, die das Versprechen zusätzlicher Hortplätze allein als Schachzug gesehen haben, Kritik an der Primarschule abzumildern.”
Die Kita-Expertin Carola Veit sagte: “Die Schulbehörde hat der Öffentlichkeit doppelt so viele Hortplätze versprochen, will dafür aber keine zusätzlichen Erzieher und auch keine zusätzlichen Räume zur Verfügung stellen. Stattdessen setzte man auf größere Gruppen und schlechtere Betreuung. Eltern und Kita-Träger waren darüber zu Recht entrüstet. Angesichts des zunehmenden Widerstands und der unabsehbaren Probleme rund um die Primarschule fühlten sich Behörde und Schulen mit diesem kniffligen Vorhaben jetzt wohl überfordert”.

Wie erfolgreich ist das Sprachförderkonzept des Senats?

Bei der Viereinhalbjährigen-Untersuchung wurde im Schuljahr 2007/2008 bei insgesamt 28,8 Prozent der untersuchten Kinder ein Sprachförderbedarf festgestellt; davon haben 11,5 Prozent einen ausgeprägten Sprachförderbedarf. Umso wichtiger ist es, dass das Sprachförderkonzept des Senats auch erfolgreich ist. In einer Großen Anfrage geht die SPD-Fraktion Hinweisen nach, dass nicht alle Förderstunden bei den Kindern ankommen, dass bereits geförderte Kinder nach einem gewissen Zeitraum nach Abschluss der Förderung erneut gefördert werden müssen und dass Schulen mit einer höheren sozialen Belastung die niedrigsten Erfolgsquoten erzielen.

Newsletter Schule September 2009

Veröffentlich am 26. September 2009  

Keine besonderen Unterrichtsangebote nach Klasse 3 in der Primarschule
Die Schulbehörde will die von der CDU geforderte Möglichkeit eines Schulwechsels nach Klasse 3 an eine andere Primarschule nur in Ausnahmen zulassen. Das geht aus einer Kleinen Anfrage des Schulexperten der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Ties Rabe, hervor.
Rabe: „Schulsenatorin Goetsch hat die CDU ausgekontert. Ihre Entscheidung ist im Prinzip richtig. Zwei Schulwechsel in der Schullaufbahn hätten die Probleme verdoppelt. Wer Schulwechsel in der Primarschulzeit vermeiden will, muss allerdings auch in jeder Primarschule ein hochwertiges Unterrichtsangebot sicherstellen. Die bisherige Planung sieht anders aus. Bestimmte hochwertige Unterrichtsangebote (so genannte Profilangebote) der Klassen 5 und 6, wie sie zurzeit die Gesamtschulen und Gymnasien bieten, sollen nur von wenigen Primarschulen fortgesetzt werden. Profilangebote sind beispielsweise Zusatzunterricht in Musik, Sport, humanistischen Fächern und Fremdsprachen wie Latein. Hier muss die Senatorin endlich einen Vorschlag zur Zukunft der Profilangebote präsentieren.“

Schulausschuss: Heftige Kritik der Eltern gegen die Primarschule
Bei einer öffentlichen Anhörung vor dem Schulausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft wurde die geplante Schulreform des schwarz-grünen Senats heftig kritisiert. Hauptkritikpunkte waren die ungeklärte Finanzierung und die Abschaffung des Elternwahlrechts. Die überwiegende Mehrheit der betroffenen Eltern bezeichnete die Änderung der Schulstruktur als unnütz und kontraproduktiv. Bei der dreistündigen öffentlichen Anhörung meldeten sich rund 50 der ca. 150 Anwesenden zu Wort.

Baukosten: Bei der Primarschulreform droht die nächste Kostenexplosion
Die Baumaßnahmen für die Primarschulreform werden erheblich teurer als von der CDU-GAL-Koalition behauptet. Das geht aus den Antworten des Senats auf Kleine Anfragen der SPD-Bürgerschaftsfraktion hervor. Der SPD-Schulexperte Ties Rabe: „Der Senat rechnet die Kosten schön“. So habe die Schulbehörde für Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Schulreform rund 190 Millionen Euro einkalkuliert. Rabe: „Realistisch sind doppelt so hohe Kosten.“ Selbst höhere Summen seien nicht ausgeschlossen: Bei zahlreichen öffentlichen Bauten und diversen Schulrenovierungen seien dem Senat in der jüngsten Vergangenheit die Kosten aus dem Ruder gelaufen. „Jetzt droht Hamburg eine weitere Kostenexplosion – bei der Umsetzung der Primarschule“, sagte Rabe. Er appellierte an den Senat, vor einer Entscheidung über die Primarschule Klarheit über den Kostenrahmen zu schaffen. „Die Schulbehörde könnte das. Ich glaube aber, sie will die Öffentlichkeit über die zu erwartenden Kosten nicht informieren“, sagte Rabe.

Schulstandortplanung: Nicht ohne Beteiligung der Bürgerschaft
Die Schulentwicklungsplanung für die Primarschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien in Hamburg ist weit vorangeschritten. 22 Schulentwicklungskonferenzen tagten 7 Monate und gaben Schulstandortempfehlungen ab. Die Schulbehörde hat im Juli 2009 den Entwurf für einen Schulentwicklungsplan 2010 – 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt und die Deputation der Schulbehörde hat einen Sonderausschuss gegründet, der sich mit der Standortplanung der Schulen beschäftigt.
Die SPD fordert in einem Antrag, die Bürgerschaft mit diesem Thema zu befassen. Dies ist bisher nicht geschehen, obwohl die Schulentwicklungsplanung eine wesentliche Grundlage der vom Senat geplanten Schulstrukturreform ist.

Doppelter Abiturjahrgang: Zahlen dramatischer als erwartet
Mit dem doppelten Abiturjahrgang im Sommer 2010 werden vermutlich weit mehr Schülerinnen und Schüler Hamburgs Schulen verlassen, als bislang vom Senat angenommen. Der SPD-Bildungsexperte Ties Rabe: „Laut Auskunft der Schulbehörde haben im Jahr 2008 insgesamt 7464 Schülerinnen und Schüler in Hamburg Abitur gemacht. Vor den Sommerferien 2009 steuerten 15.125 Hamburger Schülerinnen und Schüler auf das Abitur zu. Wenn man die zu erwartenden Schulabbrecher und Wiederholer von dieser Zahl abzieht, werden über 14.000 Schülerinnen und Schüler im Sommer 2010 das Abitur ablegen. Das sind über 6000 mehr als im letzten Jahr und knapp 2000 mehr als vom Senat geschätzt“, sagte Rabe. Er warf dem Senat vor, die Entwicklung monatelang verschlafen zu haben. „Der Boom durch den doppelten Abitur-Jahrgang wird viele junge Leute in Warteschleifen zwingen. Denn der Senat weigert sich, zusätzliche Studien- und Ausbildungsplätze für Hamburgs Abiturienten zu schaffen.“

Newsletter Schule Juli 2009

Veröffentlich am 5. Juli 2009  

Unseriöse Personalpolitik in der Lehrerausbildung
In der vergangenen Woche hat Prof. Klemm ein Gutachten vorgestellt, das er im Auftrag der GEW erstellt hatte. Er kommt darin zu dem Ergebnis, dass in Hamburg bis zum Schuljahr 2015/2016 fast 7.000 Lehrerstellen neu besetzt werden müssen. Dies bedeute Neueinstellungen von 900 Nachwuchslehrern pro Jahr. Dem stünden jedoch nur 674 Lehramtsabsolventinnen und -absolventen in Hamburg gegenüber. Bisher hätte Hamburg genügend Bewerberinnen und Bewerber von außerhalb gehabt. Ob dies aber so bleibe, sei im Hinblick des zukünftigen Lehrermangels mehr als fraglich, da sich dieser in allen Bundesländern abzeichnet. Angesichts dieses Umstands hat der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion den Senat aufgefordert, mehr Lehrer auszubilden und die Ausbildung zu verbessern. Ties Rabe: “Hamburg vernachlässigt die Lehrerausbildung. Es gibt zu wenig Studienplätze, zu wenig Referendariatsplätze – und eine Ausbildung, die modernen Unterricht nicht angemessen berücksichtigt.”

Konstruktive Ansätze beim Bildungsstreik - SPD trägt wesentliche Forderungen mit: Gegen Büchergeld und Uni-Gebühren, für demokratische Mitspracherechte in den Hochschulen Letzte Woche hat die bundesweite Aktionswoche stattgefunden, die unter dem Motto „Bildungsstreik 2009“ stattfand. Höhepunkt der Aktionen in Hamburg war eine Demonstration mit ca. 11.000 Teilnehmern, die vom Uni-Campus bis zum Rathausmarkt zog. Die beiden SPD-Fachsprecher für Bildungs- und Hochschulpolitik, Ties Rabe und Dorothee Stapelfeldt, haben Unterstützung signalisiert. Beide betonten, die SPD trage einen erheblichen Teil der Forderungen des Bildungsstreiks mit. So trete die SPD etwa seit Jahren für die Abschaffung von Büchergeld und Studiengebühren ein, fordere besseren Schulunterricht und sinnvolle Reformen auch zur Zusammenführung des zersplitterten Schulsystems.

Newsletter Schule Juni 2009

Veröffentlich am 17. Juni 2009  

Zoff in der Koalition – CDU will Elitegymnasien schützen
Für erheblichen Unfrieden innerhalb der schwarz-grünen Koalition hat Markus Weinberg, CDU-Bildungspolitiker und Bundestagsabgeordneter, mit einem Brief an Bürgermeister Ole von Beust gesorgt. Darin hat er eine Ausnahmeregelung für drei Hamburger Elitegymnasien gefordert: Für das Christianeum, das Johanneum und das Albert-Schweitzer-Gymnasium. An diesen Gymnasien sollen schon von Klasse vier an jeweils drei Züge eingerichtet werden, in denen das jeweilige Profil der Schulen angeboten wird. Laut Medienberichten hat die Schulsenatorin Goetsch diesen Vorstoß abgelehnt. Auch Ties Rabe reagiert skeptisch auf Weinbergs Vorschlag: „Die Wahl einer Primarschule darf nicht zur Vorentscheidung über die weiterführende Schule werden. Wir sind daher gegen die Verzahnung von Primarschulen mit Gymnasien.“ Außerdem sei es hochgradig ungerecht, Ausnahmen für drei Schulen zuzulassen, während viele weiterführende Schulen durch die Primarschulen ihr bisher erfolgreiches Profil verlieren würden.

Regionale Schulentwicklungskonferenzen: Behörde verhindert besseres Ergebnis
SPD-Bildungsfachmann Ties Rabe hat die Schulbehörde für bescheidene Ergebnisse der Regionalen Schulentwicklungskonferenzen (RSK) verantwortlich gemacht: “Die Konferenzen haben Hoffnungen geweckt und hätten ein guter Anfang für Verbesserungen im Schulsystem sein können. Leider hat die Behörde Gespräche über bessere Bildung und besseren Unterricht weitgehend unterbunden. Stattdessen mussten monatelang Raum- und Organisationsprobleme erörtert werden. Unklare Zielvorgaben und behördlich verordnete Denkverbote haben ein besseres Ergebnis verhindert”, sagte Rabe.

Jedes fünfte Gymnasium in Gefahr
Die SPD befürchtet, dass jedes fünfte Gymnasium in der Hansestadt die geplante Schulreform langfristig nicht überleben wird. Gerade kleinere Schulen und Gymnasien in sozial belasteten Stadtteilen seien mangels ausreichender Schülerzahlen in ihrem Bestand gefährdet, befürchtet der SPD-Bildungsexperte Ties Rabe. Konkret sieht er die Gymnasien Hamm und Lerchenfeld, Finkenwerder, Farmsen und Allermöhe sowie das Kurt-Körber-Gymnasium, das Lise-Meitner-Gymnasium und das Margaretha-Rothe-Gymnasium in ihrer Existenz bedroht.
Verantwortlich dafür ist Rabes Ansicht nach die Abschaffung des Elternwahlrechts. Denn gut 20 Prozent der Schüler, die zum Sommer für die fünften Klassen der Gymnasien angemeldet sind, haben keine Gymnasialempfehlung. Nach der Reform dürften sie demnach nicht mehr auf ein Gymnasium wechseln. Dieser Effekt werde ungenügend berücksichtigt, so Rabe. In den künftigen siebten Klassen werde es nach Inkrafttreten der Schulreform also anstatt der zu erwartenden 6379 Schüler nur noch 5340 Schüler geben – die Behörde rechne aber mit 5827 Schülern. Laut Schulgesetz müssen Gymnasien mindestens dreizügig sein, also 75 bis 78 Schüler pro Jahrgang führen, sonst droht die Schließung.

Newsletter Schule Mai 2009

Veröffentlich am 5. Mai 2009  

Raumbedarf für Primarschule: 2.200 neue Räume
In der Bürgerschaftsdebatte um die Primarschule warnte der Bürgerschaftsabgeordnete Ties Rabe vor Raumproblemen. Hamburgs Eltern seien in Sorge, dass es zu einer Verlagerung von Horten weg von den Schulen käme. Er rechnete vor, dass mindestens 2.200 neue Räume für die 5. und 6. Klassen an den Primarschulen, für Vorschulen und die Verkleinerung der Klassen benötigt werden. Im Haushalt stünden zu wenig Gelder bereit, um diesen Bedarf zu decken. Es drohe eine Verschlechterung der Kooperation von Kitas, Schulen und Horten.

Jede/r fünfte Hamburger Gymnasiast/in kommt ohne Empfehlung der Grundschule auf diese Schulform. Mit der Antwort des Senats auf eine Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ties Rabe liegen erstmals Zahlen für den Übergang ohne Empfehlung auf das Gymnasium vor. Dabei zeigt sich: Gymnasien in sozialen Brennpunkten haben die höchsten Quoten nicht empfohlener Kinder mit bis zu 52 Prozent. In Stadtteilen wie Othmarschen und Blankenese ist die Quote dagegen besonders niedrig. Wenn Schüler ohne Gymnasial-Empfehlung künftig Gymnasien nicht mehr besuchen dürfen, werden 18 Gymnasien die Mindestgröße nicht mehr erreichen. Die gefährdeten Schulen liegen vor allem in weniger wohlhabenden Stadtteilen. Zurzeit leisten diese Schulen wichtige Arbeit, weil sie viele Schüler auch ohne Empfehlung zum Abitur führen. Rabe befürchtet, dass sich die soziale Spaltung der Stadt in Zukunft verstärken wird. Grund: Eltern können nach der geplanten Abschaffung des Elternwahlrechts ihre Kinder nicht ohne Empfehlung auf einem Gymnasium anmelden. Dies sei falsch, da die Empfehlung häufig Kinder aus sozial schwächeren Familien benachteilige. Weiterhin würden deshalb die Gymnasien in sozialen Brennpunkten gefährdet, da ihnen künftig rund 20% der Schülerinnen und Schüler fehlen werden.

SPD will Änderungen im Zentralen Schülerregister
Gezielte Suche nach Kindern ohne Aufenthaltstitel soll unterbleiben.Der SPD-Migrationsexperte Bülent Ciftlik hat vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Zentralen Schülerregisters den Senat aufgefordert, endlich klare Verfahrensregeln aufzustellen, damit Schulleiter, Lehrer/innen und Schulbüros in dieser wichtigen Frage nicht allein gelassen würden. “Man bekommt mittlerweile den Eindruck, dass aber genau dies die Absicht des Senats ist”, sagte Ciftlik. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat in diesem Zusammenhang einen Antrag in die Bürgerschaft eingereicht, durch den die gezielte Suche nach Kindern ohne legalen Aufenthaltsstatus über das zentrale Schülerregister unterbleiben soll. Bildung sei ein Menschenrecht, sie dürfe keinem Kind verwehrt werden.

Newsletter Schule April 2009

Veröffentlich am 2. April 2009  

Das neue Schulgesetz befindet sich derzeit in der Vorberatung. Im Kern handelt es sich um die gesetzliche Umsetzung des bereits bekannten Rahmenplans mit aus unserer Sicht zum Teil sehr vernünftigen, zum Teil sehr “visionären” – und zum Teil auch unsinnigen – Ideen. In einem Punkt enthält das neue Schulgesetz aber eine Sensation: Die Schulbehörde weicht erheblich von den bisher bekannt gegebenen Mindestgrößen für Schulen ab. Konkret ist ganz am Ende des Schulgesetzes geregelt, dass
- Primarschulen zweizügig sein sollen (bisher wurde energisch auf Dreizügigkeit beharrt!!)
- Gymnasien und Stadtteilschulen dreizügig sein müssen. Bisher wurde eine Zügigkeit für Gymnasien nicht vorgeschrieben.

Das bedeutet für die Primarschule:
Viele kleine Grundschulen sind als eigenständige Schulen zunächst einmal in ihrer Existenz gesichert. Von 199 Hamburger Grundschulen haben 107 Schulen in der jetzigen 4. Klasse nämlich nur 2 Parallelklassen und wären insofern nach der alten Planung gefährdet gewesen. Diese Veränderung ist gut.

Aber diese kleinen Grundschulen können natürlich nicht das Profilangebot der bisherigen weiterführenden Schulen und insbesondere deren Fremdsprachen-Angebot vorhalten. Sie werden sich “spezialisieren” müssen. Genau vor dieser Entwicklung haben aber selbst wohlmeinende Kräfte (z.B. die Lehrerkammer, Landesschulbeirat, Elternkammer) immer energisch gewarnt. Wenn die Primarschulen sich unterschiedlich entwickeln, wird langfristig Hamburgs Elternschaft schon vor der Einschulung ihrer Kinder mit der Wahl der Primarschule den späteren Bildungsweg festlegen.

Es ist gut, dass die meisten Grundschulen erhalten bleiben. Aber kleine Primarschulen können nicht alle Fächer anbieten, sondern müssen sich spezialisieren. Der Preis dafür ist die Zersplitterung der einheitlichen Grundschulen in viele unterschiedliche Primarschulen. Der Geist des gemeinsamen Lernens wird durch diese Reform langfristig gefährdet.

Das bedeutet für das Gymnasium:

Die vorgeschriebene Dreizügigkeit werden 20 Schulen auf Dauer kaum schaffen. 20% der Gymnasiasten haben zurzeit keine Gymnasialempfehlung. Gerade in weniger wohlhabenden Stadtteilen ist dieser Prozentsatz meist erheblich höher. Dreizügige Gymnasien dort müssen mit Schülerschwund von 20% bis 50% rechnen, wenn das Elternwahlrecht abgeschafft wird. Dieser Eckpfeiler wird dazu führen, dass in benachteiligten Stadtteilen das Sterben der Gymnasien beginnt.

Damit wird das Sterben der Gymnasien in den weniger wohlhabenden Stadtteilen eingeleitet. Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sehen anders aus.

Newsletter Schule März 2009

Veröffentlich am 5. März 2009  

In dieser Woche standen die Haushaltsberatungen der Bürgerschaft im politischen Fokus. Negativ fiel dabei das Urteil des SPD-Fraktionschefs über die Schulpolitik von CDU und GAL aus. Der in der letzten Legislaturperiode erreichte “Hamburger Schulkompromiss” hätte Schulfrieden bringen können, “wenn Bürgermeister von Beust nicht bereit gewesen wäre, auch hier sachlich-politische Grundsätze dem machtpolitischen Kalkül und dem parteipolitischen Opportunismus zu opfern. Das Ergebnis ist der schwarz-grüne Primarschul-Murks”, sagte Neumann. Die schwarz-grünen Schulexperimente verhinderten, dass die Themen Steigerung der Unterrichtsqualität und Förderung so genannter Risikoschüler angepackt wird. “Und so gehen die Reformvorhaben in erster Linie zu Lasten der schwächeren Schülerinnen und Schüler in Hamburg”, sagte Neumann.
Der Grundgedanke des längeren gemeinsamen Lernens sei richtig. “Es ist aber falsch, diesen richtigen Grundgedanken überhastet, ohne breite Zustimmung und parallel zur Schaffung der neuen Stadtteilschule einzuführen. Denn Ihre Reformhektik wird die Kraft für den Aufbau der Stadtteilschule kosten, die wir so dringend brauchen.” Schwarz-Grün zwinge die Schulen, sich mit Raumplänen und Fahrplänen herumzuärgern, statt mit besserer Bildung.
Neumann griff insbesondere die CDU scharf an. Sie schrecke nicht davor zurück, das Wahlrecht der Eltern bei der Frage der weiterführenden Schule abzuschaffen. “Die CDU hat sich im Wahlkampf zur Verteidigerin des Elternwahlrechts aufgespielt. Wir erleben jetzt aber einen schwarz-grünen Wahlrechtsraub. Das werden die Eltern nicht vergessen”, sagte Neumann.

SPD-Bildungsexperte stellt SPD-Pläne für die Hamburger Bildungspolitik vor

Der SPD-Schulexperte Ties Rabe nutzte die Haushaltsdebatte, um die Pläne der SPD-Bürgerschaftsfraktion in der Schulpolitik darzustellen. So will die SPD in einem ersten Schritt die Stadtteilschule zu “der Schulform der Zukunft” entwickeln. Die Gymnasien will die SPD in diesen Prozess einbinden. “So bringen wir das Zusammenwachsen aller Schulformen auf den Weg. Und in absehbarer Zeit machen wir die Türen aller Schulen für alle Schüler auf. Und es wird selbstverständlich sein, dass alle Schüler in jede Schule gehen können – ganz gleich, ob es früher einmal ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule war”, sagte Rabe.

Die SPD wolle insbesondere Chancengleichheit für Schüler mit schwierigen Startbedingungen. Hier sehe die SPD besonderen Handlungsbedarf. Rabe nannte als wichtigste Maßnahmen verstärkte Förderung und Nachhilfe statt Sitzenbleiben und Abschulen, mehr Ganztagsschulen, intensivere Sprachförderung, die Unterstützung der Elternarbeit und die Integration der Förderschüler. Die Reformen der SPD seien – anders als das Primarschulexperiment des CDU-GAL-Senats “keine Abenteuergeschichte mit ungewissem Ausgang. Diese Reformen funktionieren. Und wir wollen sie gemeinsam mit den Schülern und Eltern durchsetzen – und nicht gegen sie.”

Newsletter Schule Februar 2009

Veröffentlich am 15. Februar 2009  

Letzte Woche startete die Dritte Runde der Regionalen Schulentwicklungskonferenzen. Voraussichtlich wird wieder viel Zeit und Energie in Fragen der Verteilung von Räumen gesteckt, anstatt sich mit Fragen der Verbesserung der Schulqualität, wie z.B. der Senkung der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss, zu beschäftigen. Immer deutlicher wird, dass viel zu wenig Energie in die Ausgestaltung guter Stadtteilschulen gesteckt wird.

Diesbezüglich haben die SPD-Schulpolitiker Ties Rabe und Wilfried Buss den Senat zu einer Korrektur seiner Schulpolitik aufgefordert. “Statt mit der Primarschule das ganze Schulsystem umzukrempeln, sollte der Senat zielgenau Hamburgs größtes Schulproblem angehen: die so genannten Risikoschüler”, sagte Rabe. Hamburg habe erheblich mehr schwache Schülerinnen und Schüler als die anderen Bundesländer und OECD-Staaten. “Wir können es uns nicht leisten, 25 Prozent unserer Schüler als Schulverlierer sich selbst zu überlassen. Für diese jungen Menschen brauchen wir ein Programm für Chancengleichheit und bessere Startbedingungen”, sagte der SPD-Schulexperte.

Mit einer Großen Anfrage will die SPD-Bürgerschaftsfraktion jetzt erfahren, was der Senat für die so genannten Risikoschülerinnen und -schüler tut. “Die Enquete-Kommission Schulpolitik hat im Konsens zahlreiche Empfehlungen zu diesem Problembereich beschlossen. Etwa die Einrichtung kleinerer Klassen, verbindliche Ganztagsangebote oder die gezielte Förderung lernschwacher Kinder schon in den ersten beiden Schuljahren. Wir wollen jetzt wissen, ob die Empfehlungen umgesetzt werden, oder ob auch sie auf Kosten des Primarschul-Experiments auf die lange Bank geschoben werden,” sagte der SPD-Schulpolitiker Wilfried Buss.

Landesrechnungshof rügt Auslagerung von Schulen
Die Instandhaltung, Sanierung und Verwaltung von 32 Schulen in Hamburg-Harburg wurde im Sommer 2007 dem Immobilienunternehmen „GWG Gewerbe“ für 25 Jahre übertragen. Diese Auslagerung ist jetzt vom Landesrechnungshof heftig kritisiert worden. In seinem jetzt erschienen Bericht kritisiert der Rechnungshof, dass die Gesamtkosten statt der angegebenen 756,2 Mio. tatsächlich 797,5 Mio. Euro betragen. Zudem habe die Schulbehörde bei einem 800-Millionen-Geschäft die Hamburger Bürgerschaft mit fehlerhaften Berechnungen falsch informiert und gegen das Haushaltsrecht verstoßen. Der schulpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Ties Rabe hat mit mehreren Kleinen Anfragen das Thema aufgegriffen. Rabe: „Der Bericht des Rechnungshofes ist eine schallende Ohrfeige für die Schulbehörde. Jetzt steht schwarz auf weiß fest, dass die Schulbehörde die Bürgerschaft mit unseriösen Berechnungen schlicht getäuscht hat. Statt aber die Fehler aufzuarbeiten, will die Behörde einfach weitermachen. Wir fordern: Bevor weitere Auslagerungen der Schulen an öffentliche oder private Unternehmen erfolgen, müssen endlich seriöse Zahlen auf den Tisch. Bis dahin dürfen keine weiteren Fakten geschaffen werden.